Die richtige Vorbereitung
Bevor es überhaupt ans Schrauben und Stecken geht, sollte man sich über einige grundlegende Dinge im Klaren sein. Zunächst stellt sich die Frage nach dem richtigen Standort. Ein Balkonkraftwerk bringt nur dann nennenswerte Erträge, wenn die Solarmodule möglichst viel Sonne abbekommen. Ideal ist eine Ausrichtung nach Süden, doch auch eine Ausrichtung nach Osten oder Westen kann lohnend sein, solange die Fläche nicht dauerhaft im Schatten liegt. Ein Nordbalkon ist dagegen ungeeignet, da die Module dort nur sehr wenig Licht einfangen. Neben der Himmelsrichtung spielt auch der Neigungswinkel der Module eine Rolle. In Deutschland wird meist ein Winkel zwischen 25 und 35 Grad empfohlen, da er einen guten Kompromiss zwischen Sommer- und Wintererträgen darstellt. Viele Halterungen für Balkone oder Dächer sind so konzipiert, dass dieser Neigungswinkel direkt erreicht wird. Ein weiterer Punkt, der in der Vorbereitung bedacht werden sollte, ist die Tragfähigkeit des Geländers oder der Befestigungsfläche. Ein Solarmodul wiegt in der Regel zwischen 18 und 22 Kilogramm. Dazu kommt noch das Gewicht der Halterung. Ein stabiles Geländer oder eine solide Wandbefestigung ist deshalb Pflicht. Wer unsicher ist, sollte im Zweifel einen Fachmann oder den Vermieter fragen.
Die Auswahl der Komponenten
Ein Balkonkraftwerk besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: den Solarmodulen und dem Wechselrichter. Die Module fangen die Sonnenenergie ein und wandeln sie in Gleichstrom um. Der Wechselrichter sorgt anschließend dafür, dass dieser Strom in Wechselstrom umgewandelt wird, der im Hausnetz genutzt werden kann. Bei den meisten Sets sind die passenden Kabel und Befestigungsmaterialien bereits enthalten, sodass man keine zusätzlichen Teile kaufen muss. Für Einsteiger ist es sinnvoll, ein Komplettset zu wählen. Hier sind alle Komponenten aufeinander abgestimmt, und es gibt eine klare Anleitung für die Installation. Auf diese Weise lassen sich typische Anfängerfehler vermeiden.
Die Montage der Solarmodule
Der erste praktische Schritt ist die Montage der Module. Je nach Bausituation gibt es verschiedene Möglichkeiten. Auf einem Balkon können die Module am Geländer befestigt werden, entweder hängend oder aufgeständert. Wer ein Flachdach oder eine freie Gartenfläche nutzen möchte, entscheidet sich oft für spezielle Aufständerungen, die die Module in einem optimalen Winkel halten. Wichtig ist, dass die Module sicher befestigt sind. Bei starkem Wind wirken erhebliche Kräfte auf die großen Flächen. Deshalb sollte man alle Schrauben festziehen und bei Bedarf auch zusätzliche Sicherungen verwenden. Ein weiterer Aspekt ist die Kabelführung. Die Kabel, die von den Modulen zum Wechselrichter führen, sollten möglichst kurz sein und keine Stolperfallen bilden. Es empfiehlt sich, sie mit Kabelbindern zu fixieren und so zu verlegen, dass sie vor mechanischer Belastung geschützt sind.
Der Anschluss des Wechselrichters
Ist die Montage erledigt, folgt der Anschluss des Wechselrichters. Dieser wird in der Regel direkt an die Module gesteckt. Die gängigen MC4-Steckverbinder sind selbsterklärend und können ohne Werkzeug verbunden werden. Der Wechselrichter selbst sollte an einem gut belüfteten Ort angebracht werden, da er während des Betriebs Wärme abgibt. Ein Platz im Freien ist in Ordnung, solange das Gerät eine entsprechende Schutzklasse aufweist. Der Wechselrichter hat ein Anschlusskabel mit einem sogenannten Wieland-Stecker oder einem Schuko-Stecker. In Deutschland ist es derzeit zulässig, Balkonkraftwerke über eine gewöhnliche Schuko-Steckdose anzuschließen, sofern bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllt sind. Viele Fachleute empfehlen dennoch die Nutzung einer Wieland-Steckdose, da diese eine erhöhte Sicherheit bietet. Bevor man den Stecker in die Steckdose steckt, sollte man prüfen, ob die Hausinstallation für den Betrieb geeignet ist. Bei älteren Gebäuden lohnt sich ein Blick durch einen Elektriker, um mögliche Risiken auszuschließen.
Die Anmeldung und Inbetriebnahme
Bevor das Balkonkraftwerk in Betrieb geht, ist eine Anmeldung beim Netzbetreiber sowie im Marktstammdatenregister notwendig. Das klingt bürokratisch, ist aber Pflicht. Die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt meist über ein Online-Formular und dauert nur wenige Minuten. Auch das Marktstammdatenregister kann bequem online genutzt werden. Sobald die Formalitäten erledigt sind, steht der Inbetriebnahme nichts mehr im Wege. Der Moment, in dem die Module zum ersten Mal Strom produzieren und das Display des Wechselrichters aufleuchtet, ist für viele ein kleines Highlight. Ab diesem Zeitpunkt spart man aktiv Stromkosten und produziert saubere Energie.
Tipps für den laufenden Betrieb
Ein Balkonkraftwerk ist weitgehend wartungsfrei, dennoch gibt es ein paar Dinge, die man im Blick behalten sollte. Verschmutzte Module können die Erträge verringern. Besonders nach längeren Phasen ohne Regen ist es sinnvoll, die Module mit Wasser abzuspülen. Aggressive Reinigungsmittel sind nicht nötig, ein weicher Schwamm und klares Wasser genügen völlig. Auch eine regelmäßige Sichtkontrolle der Befestigungen ist sinnvoll, insbesondere nach Stürmen. So stellt man sicher, dass alles festsitzt und keine Gefahr besteht. Manche Wechselrichter bieten die Möglichkeit, die Erträge per App zu überwachen. Das ist nicht nur praktisch, sondern macht auch Spaß, weil man direkt sehen kann, wie viel Strom man erzeugt.
Fazit
Die Installation eines Balkonkraftwerks ist weniger kompliziert, als viele denken. Mit einem gut abgestimmten Komplettset, einer sicheren Befestigung und ein wenig Vorbereitung kann praktisch jeder ein eigenes kleines Solarkraftwerk betreiben. Die wichtigsten Punkte sind ein geeigneter Standort, eine stabile Befestigung, die richtige Verkabelung und die Anmeldung bei den Behörden. Wer diese Schritte beachtet, hat innerhalb weniger Stunden ein funktionierendes System, das über viele Jahre zuverlässig Strom liefert. Damit ist der Einstieg in die private Energiewende leichter, als es auf den ersten Blick wirkt.